Wenn Selbstzweifel den Spaziergang begleiten
Wenn Selbstzweifel den Spaziergang begleiten

Warum so viele Hundemamas glauben, sie müssten noch mehr tun
Es gibt einen Moment, der vielen Hundemamas vertraut ist. Der Spaziergang ist vorbei, die Haustür fällt ins Schloss und statt Erleichterung breitet sich Enttäuschung aus. Vielleicht war dein Hund wieder aufgeregt, hat an der Leine gezogen, andere Hunde angebellt oder kam nicht zurück, als du ihn gerufen hast. Während draußen längst wieder Ruhe eingekehrt ist, beginnt in dir ein ganz anderes Gedankenkarussell. Du fragst dich, warum es bei anderen scheinbar so leicht aussieht und warum du trotz all deiner Bemühungen immer wieder an denselben Punkt zurückkehrst.
Genau diese Gedanken begegnen mir im Coaching immer wieder. Nicht in Form von Vorwürfen dem Hund gegenüber, sondern als leise Selbstzweifel. Viele Frauen sagen irgendwann: „Ich habe das Gefühl, ich versage.“ Und jedes Mal wünsche ich mir, dass sie sich selbst mit den Augen sehen könnten, mit denen ich sie sehe. Denn ich sehe keine Hundemama, die versagt. Ich sehe einen Menschen, der jeden Tag versucht, seinem Hund gerecht zu werden, der Zeit investiert, sich informiert, Bücher liest, Podcasts hört, Hundeschulen besucht und voller Hoffnung jeden neuen Tipp ausprobiert. Vor allem aber sehe ich jemanden, der seinen Hund von ganzem Herzen liebt.
Wenn wir glauben, immer mehr tun zu müssen
Gerade diese Liebe sorgt oft dafür, dass der Druck immer größer wird. Wer seinen Hund liebt, möchte schließlich alles richtig machen. Also wird nach der nächsten Lösung gesucht, nach der nächsten Übung oder der nächsten Methode. Der Gedanke dahinter ist verständlich: Irgendwo muss es doch den entscheidenden Schlüssel geben, damit der Hund endlich entspannter wird und der Alltag leichter gelingt.
Doch je mehr wir versuchen, alles richtig zu machen, desto schneller entsteht das Gefühl, nie genug zu sein. Aus dem Wunsch, den eigenen Hund bestmöglich zu begleiten, wird unbemerkt der Anspruch, perfekt funktionieren zu müssen. Jeder schwierige Spaziergang wird plötzlich zu einem Beweis dafür, dass man noch nicht genug getan hat. Jede neue Empfehlung weckt die Hoffnung, dass genau sie endlich den Durchbruch bringt.
Dabei liegt das eigentliche Problem häufig gar nicht darin, dass zu wenig getan wird. Ganz im Gegenteil. Die meisten Hundemamas, die ich begleite, tun bereits unglaublich viel. Was ihnen fehlt, ist nicht noch mehr Wissen oder noch eine weitere Technik. Was ihnen fehlt, ist eine andere Perspektive.
Der Blick hinter das Verhalten
Uns wurde über viele Jahre vermittelt, dass Verhalten das Problem ist. Zieht ein Hund an der Leine, muss die Leinenführigkeit trainiert werden. Bellt er andere Hunde an, braucht es eine passende Strategie. Hört er nicht auf den Rückruf, muss intensiver geübt werden. Fast automatisch richtet sich der gesamte Fokus auf das, was sichtbar ist.
Doch genau an diesem Punkt beginnt für mich ein völlig anderer Weg.
Ich frage nicht als Erstes: „Wie bekommen wir dieses Verhalten weg?“
Ich frage: „Warum zeigt dein Hund dieses Verhalten überhaupt?“
Denn Verhalten entsteht niemals grundlos. Es ist Ausdruck eines inneren Zustands. Es erzählt von Unsicherheit, Überforderung, Stress oder einem unerfüllten Bedürfnis. Es ist keine Trotzreaktion und keine Absicht, dich zu ärgern. Es ist die Sprache deines Hundes – eine Sprache, die verstanden werden möchte.
In dem Moment, in dem wir aufhören, nur das Verhalten verändern zu wollen, verändert sich etwas ganz Entscheidendes. Wir wechseln von der Bewertung ins Verstehen. Und genau dort beginnt oft eine Veränderung, die kein Trainingsplan allein erreichen kann.
Verständnis verändert mehr als Verhalten
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft, die ich dir heute mitgeben möchte: Du bist nicht gescheitert. Und du bist auch keine schlechte Hundemama. Wahrscheinlich hast du einfach gelernt, den Blick dorthin zu richten, wo wir alle gelernt haben hinzuschauen – auf das Verhalten. Doch Verhalten ist selten die eigentliche Ursache. Es ist vielmehr der sichtbare Teil einer Geschichte, die darunter liegt.
Wenn du beginnst, diese Geschichte verstehen zu wollen, verändert sich nicht nur dein Blick auf deinen Hund. Oft verändert sich auch dein Blick auf dich selbst. Aus Druck wird Verständnis. Aus Hilflosigkeit entsteht Klarheit. Und aus dem Gefühl, ständig etwas falsch machen zu müssen, wächst nach und nach das Vertrauen, dass ihr euren eigenen Weg finden dürft.
Für mich beginnt genau dort Seelenhundcoaching. Nicht mit der Frage, wie dein Hund schneller funktioniert. Sondern mit der gemeinsamen Suche nach dem, was euch beide wirklich bewegt. Denn hinter jedem Verhalten steckt eine Geschichte. Und jede Geschichte verdient es, verstanden zu werden.